Jesse Colombo ("The Bubble Bubble Report") erklärt seine Strategie: Warum er seine Edelmetalle noch jahrelang hält – und welche konkreten Bedingungen erfüllt sein müssen, damit er verkauft. Hier die vollständige Analyse mit Plausibilitätscheck.
Die 5 wichtigsten Aussagen von Jesse Colombo auf einen Blick:
Im April 2024 durchbrach das Gold-Dow-Verhältnis eine seit 2011 bestehende Trendlinie. Historische Bullenmärkte dauerten 11–15 Jahre. Wir sind also bei ca. 15% der typischen Dauer.
Das CAPE-Verhältnis liegt bei ~39 – höher als 1929 und nahe dem Dotcom-Hoch von 44. Der Buffett-Indikator steht bei 216% vs. historischem Durchschnitt von 87%.
In regelmäßigen ~13-jährigen Zyklen wechselt Kapital zwischen Aktien und Gold. Wenn der Aktienmarkt platzt, fließt Kapital massiv in Edelmetalle.
Gold-ETFs machen nur ~2% aller ETF-Assets aus – weit unter den 7% von 2011. Der Aktienanteil in US-Portfolios liegt bei Rekord-45%. Extreme Schieflage.
Colombo verkauft erst wenn: (1) Die Gold-Dow-Aufwärtstrendlinie bricht und (2) das CAPE unter 10 fällt. Das erwartet er frühestens in 7–8 Jahren.
Colombo nutzt das Verhältnis von Goldpreis zu Dow Jones als zentralen Indikator. Wenn dieses Verhältnis steigt, schlägt Gold die Aktienmärkte – und umgekehrt.
Aktienmarkt ist überbewertet → Kapitalflucht → Gold steigt relativ zu Aktien → Edelmetalle boomen während Aktien stagnieren.
Aktien sind günstig bewertet → Kapital fließt zurück → Aktien steigen stärker als Gold → Edelmetalle werden Underperformer.
| Zyklus 1 | Zyklus 2 | Zyklus 3 (Aktuell) | |
|---|---|---|---|
| Zeitraum | Feb 1968 – Jun 1983 | Jun 2002 – Jun 2013 | Apr 2024 – ??? |
| Dauer (Monate) | 184 | 132 | 23 |
| Gold:Dow Ratio ▲ | +2.292% | +416% | +94% |
| Kontext | Stagflation, Ölkrise | Dotcom-Crash, GFK | AI-Blase, Schulden |
Wie viele Unzen Gold braucht man, um den Dow Jones zu kaufen? Niedrig = Gold outperformt. Hoch = Aktien outperformen.
Die Spitzen werden immer höher: 18 (1929) → 29 (1966) → 45 (1999). Jedes Mal folgte ein massiver Crash + jahrzehntelanger Gold-Bullenmarkt. Auf dem Peak 1999 war der Dow 45× so viel wert wie eine Unze Gold.
1932: Ratio ~2 · 1980: Ratio 1,3 (fast Parität!) · 2011: Ratio 5,7. In den Tiefs war Gold extrem günstig gegenüber Aktien – und Aktien am günstigsten für Käufer. Aktuell ~9 und fallend → Gold gewinnt an Stärke.
Was passiert 10 Jahre nachdem das CAPE ein bestimmtes Niveau erreicht? Historische Daten zeigen ein klares Muster.
Historische durchschnittliche Jahresrenditen des S&P 500 in den 10 Jahren NACH einem bestimmten CAPE-Niveau:
Colombo zeigt vier Indikatoren, die alle auf eine extreme Überbewertung des US-Aktienmarkts hindeuten:
Höher als 1929 (33) und nahe dem Dotcom-Rekord (44). Nur zum zweiten Mal in 155 Jahren über 40.
Buffett warnte: Über 200% = „mit dem Feuer spielen". Aktuell Allzeithoch und weit über der Dotcom-Spitze.
Das Verhältnis von Tech-Aktien zur Geldmenge hat ein Niveau erreicht, das dem der Dotcom-Blase entspricht. Die AI-Manie hat eine ähnliche spekulative Übertreibung erzeugt.
US-Haushalte haben so viel in Aktien investiert wie nie zuvor. Gleichzeitig ist die Gold-ETF-Allokation mit ~2% nahe dem Rekordtief. Maximale Schieflage.
Colombo nennt zwei konkrete Bedingungen, die BEIDE erfüllt sein müssen:
Wenn das Gold-Dow-Verhältnis seine aktuelle goldfarbene Aufwärtstrendlinie nach unten durchbricht, signalisiert das das Ende des Goldbullenmarkts und den Beginn einer neuen Ära, in der Aktien outperformen.
Aktien müssen so günstig werden, dass das CAPE unter 10 fällt – ein Niveau, das nur in den frühen 1930er und 1980er Jahren erreicht wurde. Dann sind Aktien der bessere Kauf als Edelmetalle.
Colombos Strategie in einem Satz:
„Verkaufe Gold & Silber, wenn sie zu Spekulationspreisen gehandelt werden – und kaufe dann unterbewertete Aktien, wenn alle den Aktienmarkt aufgegeben haben."
Wir überprüfen die wichtigsten Behauptungen mit aktuellen, unabhängigen Datenquellen:
Laut Multpl.com liegt der aktuelle Shiller PE bei 39,28 (März 2026). GuruFocus meldet 38,51 per 01.03.2026, FinancialContent berichtet von 39,8 am 09.03.2026. Colombos Aussage, dass der Wert über dem 1929-Niveau (~33) liegt und sich dem Dotcom-Hoch (44,19) nähert, ist faktisch korrekt.
Historisch tendiert das CAPE zur Mittelwertrückkehr. Aber: Seit 1990 lag das US-CAPE fast durchgängig über dem historischen Schnitt von ~16, und die Renditen waren trotzdem überdurchschnittlich. Kritiker wie Jeremy Siegel bemängeln, dass veränderte Bilanzierungsstandards das CAPE systematisch verzerren. Robert Shiller selbst warnt davor, es als reines Timing-Instrument zu verwenden.
Ein CAPE unter 10 gab es tatsächlich nur in den frühen 1930ern und 1980ern – beides waren exzellente Einstiegszeitpunkte. Allerdings: Das CAPE fiel auch 2009 nur auf ~13. Ein Fall unter 10 würde eine beispiellose Wirtschaftskrise voraussetzen. Es ist ein sinnvolles, aber möglicherweise zu extremes Kriterium.
Die historischen Daten bestätigen Colombos Zyklen. Laut LongtermTrends.com und MacroTrends: Peaks bei 1929 (~19), 1966 (~29), 1999 (~45) und Tiefs bei 1933 (~2), 1980 (~1). Der aktuelle Trend zeigt, dass das Dow-Gold-Verhältnis seit Ende 2024 sinkt, was bedeutet, dass Gold den Dow outperformt. Die Zyklendauern von 11–15 Jahren sind ebenfalls historisch nachvollziehbar.
Das Verhältnis Marktkapitalisierung/BIP liegt tatsächlich auf Rekordniveau und deutlich über dem historischen Durchschnitt (~87%). Die Aussage, dass selbst die Dotcom-Blase niedrigere Werte hatte, ist korrekt.
Gold bei $20.000 wäre ein Anstieg von ~270% vom aktuellen Niveau (~$5.400). Silber bei $500 wäre ein Anstieg von ~660% von ~$66. Solche Anstiege sind in der Geschichte vorgekommen (Gold 1970–1980: +2.300%), aber sie setzen eine extreme Wirtschaftskrise voraus. Diese Ziele sind möglich, aber am oberen Ende des Spektrums. Mainstream-Analysten (z.B. J.P. Morgan) sehen Gold eher bei $6.000.
Seine Analyse der langfristigen Zyklen zwischen Gold und Aktien ist historisch fundiert. Die Bewertungsdaten (CAPE, Buffett-Indikator) sind korrekt zitiert und tatsächlich besorgniserregend. Der Ansatz, relative Bewertungen statt absolute Preise als Entscheidungsgrundlage zu nutzen, ist methodisch sinnvoll.
Die Kursziele ($20k Gold, $500 Silber) sind extrem. Das CAPE hat seit 30 Jahren nicht mehr auf den historischen Durchschnitt zurückgekehrt. Die Annahme, dass vergangene Zyklen sich exakt wiederholen, ist unsicher. Die KI-Revolution könnte die Bewertungen dauerhaft verändern. Ein CAPE unter 10 ist als Verkaufssignal möglicherweise unrealistisch.
Jesse Colombos Analyse ist gut recherchiert und basiert auf korrekten historischen Daten. Die Kernthese – dass der Gold-Bullenmarkt nach historischen Maßstäben noch sehr jung ist – hat eine solide Grundlage. Seine Bewertungskennzahlen sind tatsächlich auf extremen Niveaus, was historisch tatsächlich auf Probleme hindeutet.
Allerdings sollte man beachten: Colombo ist ein ausgesprochener Goldbulle mit einem kostenpflichtigen Newsletter – er hat also ein wirtschaftliches Interesse an bullischen Prognosen. Die Kursziele sind selbst für optimistische Szenarien am oberen Rand. Und die Geschichte zeigt, dass jeder Zyklus anders ist – die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.
Pragmatischer Rat: Die Richtung der Analyse (Gold steigt relativ zu Aktien) hat historische Unterstützung. Aber statt blind auf $20.000 zu wetten, wäre eine schrittweise Strategie mit regelmäßiger Überprüfung der genannten Indikatoren sinnvoller.
Diese Analyse dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.
Originalartikel: Jesse Colombo, GoldSeiten.de, 09.03.2026 · Analyse erstellt am 10.03.2026