Artikel-Analyse vom 09.03.2026

Wann Gold & Silber verkaufen?

Jesse Colombo ("The Bubble Bubble Report") erklärt seine Strategie: Warum er seine Edelmetalle noch jahrelang hält – und welche konkreten Bedingungen erfüllt sein müssen, damit er verkauft. Hier die vollständige Analyse mit Plausibilitätscheck.

Jesse Colombo
The Bubble Bubble Report · GoldSeiten.de
Gold-Kursziel
$20.000
Silber-Kursziel
$500
Erwartete Dauer
10+ J.
Überblick

Was sagt der Artikel?

Die 5 wichtigsten Aussagen von Jesse Colombo auf einen Blick:

These 1
Der Gold-Bullenmarkt ist erst 23 Monate alt

Im April 2024 durchbrach das Gold-Dow-Verhältnis eine seit 2011 bestehende Trendlinie. Historische Bullenmärkte dauerten 11–15 Jahre. Wir sind also bei ca. 15% der typischen Dauer.

These 2
Der Aktienmarkt ist eine historische Blase

Das CAPE-Verhältnis liegt bei ~39 – höher als 1929 und nahe dem Dotcom-Hoch von 44. Der Buffett-Indikator steht bei 216% vs. historischem Durchschnitt von 87%.

These 3
Kapital fließt zyklisch zwischen Aktien und Gold

In regelmäßigen ~13-jährigen Zyklen wechselt Kapital zwischen Aktien und Gold. Wenn der Aktienmarkt platzt, fließt Kapital massiv in Edelmetalle.

These 4
Goldallokation ist noch winzig

Gold-ETFs machen nur ~2% aller ETF-Assets aus – weit unter den 7% von 2011. Der Aktienanteil in US-Portfolios liegt bei Rekord-45%. Extreme Schieflage.

These 5
Verkauf erst bei konkreten Signalen

Colombo verkauft erst wenn: (1) Die Gold-Dow-Aufwärtstrendlinie bricht und (2) das CAPE unter 10 fällt. Das erwartet er frühestens in 7–8 Jahren.

Kernmechanismus

Das Gold-Dow-Verhältnis: Der Masterplan

Colombo nutzt das Verhältnis von Goldpreis zu Dow Jones als zentralen Indikator. Wenn dieses Verhältnis steigt, schlägt Gold die Aktienmärkte – und umgekehrt.

So funktioniert der Zyklus

AKTIEN BESSER
1930er–1960er
GOLD BESSER
1960er–1983
AKTIEN BESSER
1983–2002
GOLD BESSER
2002–2013
AKTIEN BESSER
2013–2024
GOLD ▲
2024–??
⬆️
Colombos Logik: Jeder Zyklus dauert ~11–15 Jahre. Der aktuelle Gold-Zyklus begann April 2024 – also sind wir erst am Anfang.

Wann Gold outperformt

Aktienmarkt ist überbewertet → Kapitalflucht → Gold steigt relativ zu Aktien → Edelmetalle boomen während Aktien stagnieren.

Wann Aktien outperformen

Aktien sind günstig bewertet → Kapital fließt zurück → Aktien steigen stärker als Gold → Edelmetalle werden Underperformer.

Historischer Vergleich

Drei Goldzyklen im Vergleich

Zyklus 1 Zyklus 2 Zyklus 3 (Aktuell)
Zeitraum Feb 1968 – Jun 1983 Jun 2002 – Jun 2013 Apr 2024 – ???
Dauer (Monate) 184 132 23
Gold:Dow Ratio ▲ +2.292% +416% +94%
Kontext Stagflation, Ölkrise Dotcom-Crash, GFK AI-Blase, Schulden

Wo stehen wir? Fortschritt des aktuellen Bullenmarkts

Nach Dauer
~15%
23 von Ø 158 Monaten Ø 13 Jahre
Nach Gewinn
~7%
+94% von Ø 1.354% Ø 1.354% Gewinn
Colombos Fazit: Gemessen an Dauer und Gewinn hat der aktuelle Bullenmarkt erst 7–15% seines Weges zurückgelegt. Er befindet sich in den „Kinderschuhen".
Interaktive Visualisierung

Dow:Gold Ratio seit 1915

Wie viele Unzen Gold braucht man, um den Dow Jones zu kaufen? Niedrig = Gold outperformt. Hoch = Aktien outperformen.

Gold outperformt Aktien
Aktien outperformen Gold
Goldpreis fixiert ($20,67)
45 30 15 5 1 Ø ~15 1929: 18,4 1932: ~2 1966: 28,5 1980: 1,3 ! 1999: 44,8 🔴 2011: 5,7 2026: ~9 ▼ fallend 1915 1929 1945 1958 1966 1980 1990 1999 2011 2020
Quellen: Federal Reserve St. Louis, macrotrends.net, longtermtrends.com

Muster der Peaks 🔴

Die Spitzen werden immer höher: 18 (1929) → 29 (1966) → 45 (1999). Jedes Mal folgte ein massiver Crash + jahrzehntelanger Gold-Bullenmarkt. Auf dem Peak 1999 war der Dow 45× so viel wert wie eine Unze Gold.

Muster der Tiefs 🟡

1932: Ratio ~2 · 1980: Ratio 1,3 (fast Parität!) · 2011: Ratio 5,7. In den Tiefs war Gold extrem günstig gegenüber Aktien – und Aktien am günstigsten für Käufer. Aktuell ~9 und fallend → Gold gewinnt an Stärke.

Interaktive Visualisierung

CAPE-Ratio & Folgerenditen

Was passiert 10 Jahre nachdem das CAPE ein bestimmtes Niveau erreicht? Historische Daten zeigen ein klares Muster.

S&P 500 CAPE-Ratio seit 1920

GEFAHRENZONE KAUFZONE 45 35 25 Ø16 10 5 1929: 33 → −89% Crash 1932: ~6 → Kaufchance! 1966: 24 → 16 J. Nullrendite 1982: ~7 → Mega-Bullenmarkt! 2000: 44,2 🔴 2007: 28 2009: 13 → +400% Rally HEUTE: ~39 1920 1935 1950 1965 1980 1995 2010 2025
Quellen: Robert Shiller (Yale), multpl.com, gurufocus.com

Was sagt das CAPE über die nächsten 10 Jahre?

Historische durchschnittliche Jahresrenditen des S&P 500 in den 10 Jahren NACH einem bestimmten CAPE-Niveau:

CAPE < 10
Ø +10% bis +13% p.a. real
1920, 1932, 1982
CAPE 10–15
Ø +7% bis +10% p.a. real
1942, 1949, 2009
CAPE 15–20
Ø +4% bis +7% p.a.
Ø historisch
CAPE 20–25
Ø +2% bis +5% p.a.
1966, 2004
CAPE 25–35
Ø 0–3%
1929, 2007
CAPE > 35
≤0%
← Häufig negative reale Renditen über 10 Jahre
2000 → HEUTE!
Die Botschaft: Bei einem CAPE von ~39 prognostiziert die Geschichte reale Renditen nahe null oder negativ für die nächsten 10 Jahre. Das einzige Mal, als das CAPE höher war (2000: 44), folgten −25% reale Renditen über 10 Jahre. Gold legte im gleichen Zeitraum +600% zu.
CAPE niedrig
1982
CAPE = 7
S&P 500 in den nächsten 10 Jahren:
+400%
Beginn des Mega-Bullenmarkts
CAPE extrem hoch
2000
CAPE = 44
S&P 500 in den nächsten 10 Jahren:
−25% real
Gold: +600%
CAPE extrem hoch
2026
CAPE = 39
Die Geschichte sagt:
Ø 0–3% p.a.
Colombo: Gold outperformt
Warnsignale

Die Aktienblase in Zahlen

Colombo zeigt vier Indikatoren, die alle auf eine extreme Überbewertung des US-Aktienmarkts hindeuten:

① CAPE-Ratio (Shiller KGV)

~39 aktuell (März 2026)
5 (günstig) 16 (Ø) 44 (Dotcom)

Höher als 1929 (33) und nahe dem Dotcom-Rekord (44). Nur zum zweiten Mal in 155 Jahren über 40.

② Buffett-Indikator

216% Marktcap / BIP
30% (günstig) 87% (Ø) 216% (Heute)

Buffett warnte: Über 200% = „mit dem Feuer spielen". Aktuell Allzeithoch und weit über der Dotcom-Spitze.

③ Nasdaq 100 / M2 Geldmenge

Das Verhältnis von Tech-Aktien zur Geldmenge hat ein Niveau erreicht, das dem der Dotcom-Blase entspricht. Die AI-Manie hat eine ähnliche spekulative Übertreibung erzeugt.

⚠️ Colombo nennt dies die „Everything Bubble"

④ Aktienanteil in US-Portfolios

45%+ Allzeithoch

US-Haushalte haben so viel in Aktien investiert wie nie zuvor. Gleichzeitig ist die Gold-ETF-Allokation mit ~2% nahe dem Rekordtief. Maximale Schieflage.

Aktien
45% ← Rekord
Gold-ETFs
~2%
Die Kernfrage

Wann verkauft Colombo?

Colombo nennt zwei konkrete Bedingungen, die BEIDE erfüllt sein müssen:

🎯

Bedingung 1

Gold-Dow Aufwärtstrendlinie bricht

Wenn das Gold-Dow-Verhältnis seine aktuelle goldfarbene Aufwärtstrendlinie nach unten durchbricht, signalisiert das das Ende des Goldbullenmarkts und den Beginn einer neuen Ära, in der Aktien outperformen.

📅 Frühestens erwartet in 7–8 Jahren (also ~2031–2032)
📉

Bedingung 2

CAPE-Ratio fällt unter 10

Aktien müssen so günstig werden, dass das CAPE unter 10 fällt – ein Niveau, das nur in den frühen 1930er und 1980er Jahren erreicht wurde. Dann sind Aktien der bessere Kauf als Edelmetalle.

📊 Aktuell: ~39 → Muss auf <10 fallen = −75% Rückgang nötig

Colombos Strategie in einem Satz:

„Verkaufe Gold & Silber, wenn sie zu Spekulationspreisen gehandelt werden – und kaufe dann unterbewertete Aktien, wenn alle den Aktienmarkt aufgegeben haben."

Plausibilitätscheck

Stimmen Colombos Zahlen?

Wir überprüfen die wichtigsten Behauptungen mit aktuellen, unabhängigen Datenquellen:

CAPE-Ratio bei ~39 – BESTÄTIGT

Laut Multpl.com liegt der aktuelle Shiller PE bei 39,28 (März 2026). GuruFocus meldet 38,51 per 01.03.2026, FinancialContent berichtet von 39,8 am 09.03.2026. Colombos Aussage, dass der Wert über dem 1929-Niveau (~33) liegt und sich dem Dotcom-Hoch (44,19) nähert, ist faktisch korrekt.

Quellen: multpl.com, gurufocus.com, ycharts.com
⚠️
CAPE als „mean-reverting" Kennzahl – TEILWEISE KORREKT

Historisch tendiert das CAPE zur Mittelwertrückkehr. Aber: Seit 1990 lag das US-CAPE fast durchgängig über dem historischen Schnitt von ~16, und die Renditen waren trotzdem überdurchschnittlich. Kritiker wie Jeremy Siegel bemängeln, dass veränderte Bilanzierungsstandards das CAPE systematisch verzerren. Robert Shiller selbst warnt davor, es als reines Timing-Instrument zu verwenden.

Einschränkung: CAPE allein ist kein zuverlässiger Timing-Indikator
⚠️
CAPE unter 10 als Kaufsignal für Aktien – HISTORISCH KORREKT, ABER EXTREM

Ein CAPE unter 10 gab es tatsächlich nur in den frühen 1930ern und 1980ern – beides waren exzellente Einstiegszeitpunkte. Allerdings: Das CAPE fiel auch 2009 nur auf ~13. Ein Fall unter 10 würde eine beispiellose Wirtschaftskrise voraussetzen. Es ist ein sinnvolles, aber möglicherweise zu extremes Kriterium.

Dow-Gold Zyklen – HISTORISCH BELEGT

Die historischen Daten bestätigen Colombos Zyklen. Laut LongtermTrends.com und MacroTrends: Peaks bei 1929 (~19), 1966 (~29), 1999 (~45) und Tiefs bei 1933 (~2), 1980 (~1). Der aktuelle Trend zeigt, dass das Dow-Gold-Verhältnis seit Ende 2024 sinkt, was bedeutet, dass Gold den Dow outperformt. Die Zyklendauern von 11–15 Jahren sind ebenfalls historisch nachvollziehbar.

Quellen: longtermtrends.com, macrotrends.net, Federal Reserve St. Louis
Buffett-Indikator bei Allzeithoch – BESTÄTIGT

Das Verhältnis Marktkapitalisierung/BIP liegt tatsächlich auf Rekordniveau und deutlich über dem historischen Durchschnitt (~87%). Die Aussage, dass selbst die Dotcom-Blase niedrigere Werte hatte, ist korrekt.

Gold $20.000 / Silber $500 – SEHR SPEKULATIV

Gold bei $20.000 wäre ein Anstieg von ~270% vom aktuellen Niveau (~$5.400). Silber bei $500 wäre ein Anstieg von ~660% von ~$66. Solche Anstiege sind in der Geschichte vorgekommen (Gold 1970–1980: +2.300%), aber sie setzen eine extreme Wirtschaftskrise voraus. Diese Ziele sind möglich, aber am oberen Ende des Spektrums. Mainstream-Analysten (z.B. J.P. Morgan) sehen Gold eher bei $6.000.

Gesamtbewertung des Faktenchecks

CAPE-Daten
Korrekt ✅
Dow-Gold Zyklen
Historisch belegt ✅
Buffett-Indikator
Korrekt ✅
Mean-Reversion
Vereinfacht ⚠️
Kursziele
Spekulativ ❓
CAPE <10 Signal
Extrem hohe Hürde ⚠️
Fazit

Was kann man mitnehmen?

Was Colombo richtig macht

Seine Analyse der langfristigen Zyklen zwischen Gold und Aktien ist historisch fundiert. Die Bewertungsdaten (CAPE, Buffett-Indikator) sind korrekt zitiert und tatsächlich besorgniserregend. Der Ansatz, relative Bewertungen statt absolute Preise als Entscheidungsgrundlage zu nutzen, ist methodisch sinnvoll.

Was kritisch zu sehen ist

Die Kursziele ($20k Gold, $500 Silber) sind extrem. Das CAPE hat seit 30 Jahren nicht mehr auf den historischen Durchschnitt zurückgekehrt. Die Annahme, dass vergangene Zyklen sich exakt wiederholen, ist unsicher. Die KI-Revolution könnte die Bewertungen dauerhaft verändern. Ein CAPE unter 10 ist als Verkaufssignal möglicherweise unrealistisch.

Gesamteinschätzung

Jesse Colombos Analyse ist gut recherchiert und basiert auf korrekten historischen Daten. Die Kernthese – dass der Gold-Bullenmarkt nach historischen Maßstäben noch sehr jung ist – hat eine solide Grundlage. Seine Bewertungskennzahlen sind tatsächlich auf extremen Niveaus, was historisch tatsächlich auf Probleme hindeutet.

Allerdings sollte man beachten: Colombo ist ein ausgesprochener Goldbulle mit einem kostenpflichtigen Newsletter – er hat also ein wirtschaftliches Interesse an bullischen Prognosen. Die Kursziele sind selbst für optimistische Szenarien am oberen Rand. Und die Geschichte zeigt, dass jeder Zyklus anders ist – die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

Pragmatischer Rat: Die Richtung der Analyse (Gold steigt relativ zu Aktien) hat historische Unterstützung. Aber statt blind auf $20.000 zu wetten, wäre eine schrittweise Strategie mit regelmäßiger Überprüfung der genannten Indikatoren sinnvoller.

Diese Analyse dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

Originalartikel: Jesse Colombo, GoldSeiten.de, 09.03.2026 · Analyse erstellt am 10.03.2026